Freitag, 23. Februar 2018

Über die Schönheit und die Hässlichkeit


Über die Schönheit und die Hässlichkeit

„Man, schau mal, was für Mädels in dieser Stadt herumlaufen! Ich sage dir, die Bulgarinnen sind die hübschesten Frauen der Welt. Unglaublich! Schau Dir das an: die Blondine, die gerade mit dem kleinen Gangster vorbeikommt. Das ist eine echte Schönheitskönigin! Auf der Skala von 0 bis 10 gebe ich eine 9“, sagte Ivan zu mir.

Wir saßen in einem Café in der „Witoshka“, der zentralen Straße Sofias, und beobachteten das Geschehen. Der Himmel war blau. Die Sonne schien. Ein alter Mann saß vor dem Café und spielte Gitarre und die Mädchen von Sofia präsentierten sich von ihrer schönsten Seite.
Ich schaute mir die blonde Frau an. Sie war sehr herausgeputzt. Sie trug einen Jeans-Minirock und hohe, weiße Absätze, die die Länge ihrer schönen Beine betonten. Bulgarinnen bemühten sich sehr, so hübsch wie möglich auszusehen. Das taten die Frauen an den meisten Orten der Welt. Die Schönheit einer Frau wurde weltweit daran gemessen, wie viel Beachtung sie von der Männerwelt genießen konnte. Der Blondine mangelte es offensichtlich nicht an Aufmerksamkeit seitens der Männer. Trotzdem fand ich sie nicht besonders anziehend. Sie war mir zu künstlich und der kleine Gangster neben ihr passte aus meiner Sicht perfekt als ihre Begleitung. Ich wollte aber auf keinen Fall die Begeisterung meines Freundes stören.

Ich hörte einmal einen weisen Mann sagen:
„Wenn du Begeisterung und Enthusiasmus löschst, löschst du damit Leben.“
Ich überlegte kurz, wie ich meinem Freund meine Ansicht mitteilen könnte, ohne ihn zu beleidigen.
„Ivan, kennst du die Sage über die Schönheit und die Hässlichkeit?“, fing ich vorsichtig an.
„Welche Sage meinst du?“, fragte er.
„Über die Schönheit und die Hässlichkeit“
„Erzähle mal“, sagte er mit seiner tiefen Stimme.
Ivan war ein kräftiger Kerl, der gerne enge T-Shirts trug, um seine Muskeln zu betonen. Sein Gesicht war gut gebräunt. Das Lächeln war ein fester Bestandteil seiner Präsenz.

„An einem sonnigen Tag wie heute ging die Schönheit spazieren und traf auf ihrem Weg, wie der Zufall es wollte, die Hässlichkeit. Sie plauderten ein wenig und weil es so ein heißer Sommertag war, beschlossen sie, zusammen schwimmen zu gehen. So gingen sie zu einem nahen gelegenen See, zogen ihre Kleider aus und sprangen ins Wasser. Eine Weile spielten sie miteinander und lachten gelassen. Dann musste sich die Hässlichkeit auf den Weg machen, da sie noch andere Verabredungen hatte. Sie ging aus dem Wasser heraus, sah ihr Kleid und das Kleid der Schönheit auf dem Boden liegen, überlegte kurz und beschloss, das Kleid der Schönheit anzuziehen...“

„Die Hässlichkeit ist gar nicht so dumm“, unterbrach mich Ivan und nahm einen Schluck von seinem Kaffee.
„Wie hat die Schönheit darauf reagiert?“, fragte er.
„Die Schönheit merkte zuerst gar nichts.  Nach einer Weile ging sie auch aus dem Wasser heraus und stellte fest, dass nur das Kleid der Hässlichkeit übrig war. Da sie nicht nackt herumlaufen wollte, zog sie dieses Kleid an.“
„Na und, worauf willst Du hinaus?“, fragte Ivan ungeduldig und setzte seine Sonnenbrille ab. Seine dunkelbraunen Augen schauten mich erwartungsvoll an.
Ich erwiderte seinen Blick und fragte:
„Was ist die Essenz der Geschichte für dich, Ivan?“
„Diese Geschichte gibt mir zwei Lektionen: Erstens, nie mit hässlichen Frauen baden zu gehen und zweitens nie meine Klamotten und Wertsachen unbeaufsichtigt liegen zu lassen“, antwortete er.
Ivan war schnell im Kopf. Ich mochte seine offene, direkte Art. Wir kannten uns aus der Kindheit. Es war immer entspannt, wenn wir uns trafen.
„Nein, mein lieber Freund. Dieses Mal liegst du ausnahmsweise falsch.“
„Was ist dann die Essenz?“
„Die Essenz ist, dass man seit diesem Tag nicht mehr so richtig weiß, was schön und was hässlich ist.“

Ivan lachte kurz. Dann nickte er nachdenklich, schwieg einige Sekunden und sagte:

„Ich verstehe nur nicht, warum du solange um den heißen Brei herumreden musst. Wenn Du die Blonde mit dem Gangster nicht mochtest, hättest du es mir auch direkt sagen können. Wir sind hier nicht im Büro, wo du dir jedes Wort vor dem Aussprechen drei Mal überlegen musst.“

„Ivan, du hast Recht. Der Kaffee geht auf mich.“











Freitag, 16. Februar 2018

The Danish Girl

The Danish Girl

„Dänemark ist ein kleines Stück Erde, auf dem die Frauen noch heil geblieben sind...“, sagte mir ein amerikanischer Rechtsanwalt.
„Wie meinst du das?“, fragte ich zurück.
Wir saßen an einer der Strandbars in Barcelona. Die sogenannten „Chiringuitos“ lieferten die passende Kulisse für solche Gespräche. Der Strand vor uns war voll mit schönen, sportlichen, fast nackten Körpern. Die Menschen sonnten sich und wir beobachteten sie dabei. Auf unserem Tisch stand eine gekühlte Flasche Rose´, der fruchtig schmeckte und perfekt zu der leichten Bosa Nova-Musik im Hintergrund passte. Der Himmel war blau. Die Sonne knallte. Man fühlte eine Leichtigkeit in der Luft, die freien Raum für Gedanken ließ. Eric, der Anwalt, war ein Mann, der viel gereist war und unterschiedliche Länder, Sitten und Frauen kennenlernt hatte. Er trug ein weißes Leinenhemd, das aufgeknöpft war und seine Brusthaare zur Schau stellte. Seine Meinung interessierte mich umso mehr, weil ich mit einer Dänin zusammen war.
„Na ja, die dänischen Frauen sind ehrlich und treu. Sie halten zu ihrem Mann“, sagte er.
Das stimmte. Meine Erfahrung konnte dies bestätigen. Nun gab es aber einige Aspekte der dänischen Mentalität, die ich nicht richtig verstand.
„Ich gebe Dir recht, Eric! Aber ich habe einiges einzuwenden, wenn Du den Begriff ´heil´ benutzt.“
„Was denn?“, fragte er.
Eric führte erfolgreich eine Rechtsanwaltskanzlei in New York und mochte nicht, wenn jemand mit seiner Meinung nicht einverstanden war. Der Erfolg führe bei Menschen oft dazu, dass sie selbstherrlich wurden. Eric war ein lebendiges Beispiel dafür.
„Wie Du weißt, bin ich seit knapp zwei Jahren mit einer Dänin zusammen und es gibt schon einige Punkte in ihrer Denkweise, die ich nicht so richtig nachvollziehen kann.“
„Zum Beispiel?“
„Zum Beispiel die Beziehung zwischen ihr und ihren Ex-Freunden.“
„Haben sie weiter Sex mit ihren Ex-Freunden?“, lachte er tückisch.
„Gott sei Dank ist das nicht der Fall, aber wie würdest du es finden, wenn deine Ex dich anrufen würde, um dir zu sagen, dass sie einen Heiratsantrag von ihrem neuen Freund bekommen hätte?“
„Kann ich mir schwer vorstellen, dass so was passieren kann. Ich pflege keinen Kontakt zu meinen Ex-Freundinnen. Die meisten von ihnen wollen mit mir nichts zu tun haben.“
„Na ja, siehst Du. Das war bei meiner Freundin der Fall. Ihr Ex rief sie an, um ihr das zu sagen. Stell Dir vor, nachdem sie 7 Jahre zusammen waren und erst seit zwei Jahren getrennt sind…“
„Wie hat sie darauf reagiert?“
„So wie die Dänen halt reagieren – cool und mit Humor. Sie hat ihm gesagt, dass er es dieses Mal nicht vergessen dürfe, seiner Geliebten einen schönen Ring zu kaufen.“
„Ist doch klasse! Sie konnte darüber lachen. Wenn man über etwas nicht lachen kann, hat man damit meistens ein Problem.“
„Na ja, das stimmt! Kurz darauf aber meldete sich ein anderer Ex bei ihr und wollte sie besuchen kommen und bei ihr übernachten, um seinen Liebeskummer aus einer frischen Trennung zu überwinden.“
„Scheint, dass deine Freundin ein gutes Verhältnis zu ihren Ex-Freunden hat.“
„Ja und nicht nur sie – wir fahren im Sommer zusammen mit ihrer Mutter zur Hochzeit vom Ex.“
„Der hat sich doch vor kurzem getrennt, oder?“
„Nein, derjenige mit dem Ring, mit dem sie 7 Jahre zusammen war.“
„Das klingt kultiviert.“
„Für mich klingt es eher wie ein Szenario aus einem Lars von Trier-Film. Nicht zufälligerweise ist er auch aus Dänemark.“
„Wie meinst du das?“
„Na ja, wir fahren hin. Ihre Mutter und der Freund der Mutter sind auch eingeladen.
So etwas wäre in Bulgarien blutig ausgegangen...“
„Na ja, das wäre auch in den USA in der Regel nicht möglich gewesen...“
„Um es abzuschließen, musst Du wissen, dass die neue Freundin vom Ex, also die zukünftige Braut, der Mutter meiner Freundin einen Dildo geschenkt hat.“
Eric machte große Augen und schüttelte seinen Kopf.
„Das glaube ich nicht! Die zukünftige Braut schenkt der Mutter deiner Ex einen Dildo?!“
„Nein, Eric, wir sind noch in Dänemark. Die zukünftige Braut hat der Mutter meiner Freundin in Kopenhagen einen Dildo geschenkt.“
„Das bringt mich durcheinander. Also die Frau, die den Ex Deiner Freundin heiraten wird, schenkte der Mutter Deiner Freundin einen Dildo. Richtig?“
„Richtig, Eric. Man merkt, dass Du ein erfolgreicher Rechtsanwalt bist.“
„Wow! Würde ich so ein Geschenk der Mutter meiner Ex-Frau in Texas machen, würde sie mich wegen Nötigung verklagen“, sagte er und wirkte eine Weile gedankenverloren.
Dann trank er einen Schluck Wein und fragte neugierig:
„Der Mutter etwas Gutes tun und ihr mit dem Geschenk eine Art „Männerersatz“ bescheren?“
„Nicht ganz. Die Mutter meiner Freundin hat körperliche Schmerzen. Die Braut von ihrem Ex ist eine tüchtige Geschäftsfrau, die unter anderem mit Dildos handelt. Sie gab ihr einen riesigen Dildo als Teil einer Untersuchung, die beweisen sollte, dass Orgasmen zur Verminderung von Schmerzen beitragen.“
„Ich sage dir, Mann, das ist eine heile Welt. Menschen helfen sich und beachten dabei keine Grenzen in sexueller und in erzieherischer Hinsicht.“
„Das kannst du gut auf den Punkt gebracht.“
„Ich habe in meinem Leben mehr als 100 Frauen aus verschiedenen Ländern gehabt“, fügte Eric hinzu.
„Für mich sind die Frauen so tief wie das Meer. Wenn man sie verstehen möchte, läuft man Gefahr zu ertrinken. Ich versuche deswegen nur mit den Wellen zu spielen.“
Danach schwieg er eine Weile und beobachtete das Meer. Danach erhob er sein Glas und sagte:
„Lass uns zum Wohl der Dänen und ihrer Kultur anstoßen!“

Freitag, 9. Februar 2018

Die Integration der Bulgaren in London und in Berlin

Die Integration der Bulgaren in London und in Berlin 
 
Ivan war ein Abenteurer. Er fuhr quer durch Europa per Anhalter. Er hatte schulterlange, dunkelbraune, lockige Haare und immer die gleichen Jeans an. Materielle Dinge interessierten ihn wenig. Lieber las er philosophische Bücher –Krishna Muti, Dalai Lama und Deepak Chopra gehörten zu seinen Lieblings-schriftstellern. Ivan vertraute dem Leben und hatte keine Angst davor, draußen auf einem Feld oder in einem Wald zu übernachten. Als ich ihn traf, hatte er gerade einige Monate in London verbracht.

Wir saßen in einem Café im Zentrum von Sofia und genossen unseren Kaffee und das sanfte Licht der Dämmerung.

„London ist kalt und teuer. Die Leute sind da so distanziert und übertrieben freundlich. Wie konnte ein freier Geist wie Du es so lange dort aushalten?", fragte ich ihn.
„Viele Bulgaren leben in London. Darunter einige meiner Freunde. Ich habe sie besucht“, antwortete er in seinem einfachen Stil.

„Meinst Du, dass sich Menschen aus Bulgarien dort gut integrieren können?“, fragte ich weiter. Bei meinen Besuchen in London hatte ich den Eindruck, dass die englische Mentalität mit der bulgarischen nicht kompatibel sei. Die offene Emotionalität, die durch laute Wörter und körperbetonte Gestik auf dem Balkan ihren Ausdruck fand, war aus meiner Sicht in Großbritannien nicht sehr verbreitet.

„Kennst du das Experiment mit dem Frosch?“, fragte Ivan zurück.
„Erzähl!“, ermutigte ich ihn. Ich wusste, dass ich von ihm viel lernen konnte.
„Wenn man einen Frosch in eine Pfanne mit kochendem Wasser setzt, würde er sofort herausspringen...“, fing Ivan an.
„Wenn man aber den Frosch in eine Pfanne mit lauwarmem Wasser setzt und die Pfanne allmählich erhitzt, dann würde der Frosch langsam sterben“, beendete er seine Geschichte.
„Worauf willst du hinaus?“, fragte ich ihn weiter. Ich wollte sicher sein, dass mir die Pointe seiner Erzählung nicht entging.
„Ich will damit sagen, dass es sich so ähnlich mit der Integration der Bulgaren in London verhält. Sie kommen mit dem Traum der Selbstverwirklichung nach England. Sie studieren, finden einen guten Job und bleiben da. Langsam erhitzt sich aber das Wasser in der Pfanne. Die nasse Kälte, der ständige Nebel, die zwischenmenschlichen Beziehungen, die durch fehlende Herzlichkeit und Kälte geprägt sind, sowie die teuren Lebenshaltungskosten bringen das Wasser zum Kochen. Dann ist es aber zu spät, um auszusteigen. Dann ist ihre Seele bereits tot“, beendete Ivan seine Ausführung, schaute mich mit seinem durchdringenden Blick an und fragte mich:

„Ist es in Deutschland anders?“
„Deutschland ist groß und ich kenne es nicht so gut...“, antwortete ich und nahm einen Schluck von meinem schwarzen Kaffee. In diesem Moment liefen zwei Schönheiten am Café vorbei. Wir drehten unsere Köpfe um, um ihre graziösen Bewegungen zu verfolgen.

„Ich kann nur über Berlin sagen, dass ich als Bulgare da die ganze Zeit das Gefühl habe, im lauwarmen Wasser zu schwimmen.“

Freitag, 2. Februar 2018

Ein Investmentbanker aus der Schweiz und seine Ängste

Ein Investmentbanker aus der Schweiz und seine Ängste

Markus war kein Angsthase. Als er mit seinem Abi fertig war, verließ er sein Zuhause und zog in die USA. In Chicago absolvierte er ein Masterstudium in Business Administration. Sein Uni-Abschluss an einer der angesehensten, nordamerikanischen Universitäten ermöglichte es ihm schnell, einen guten Job  in seiner Heimat zu finden.

Er arbeitete im Private Banking-Bereich der Deutschen Bank. Täglich musste er zum „Prime Tower“, wo sein Arbeitgeber seinen Firmensitz hatte. Das war das höchste Gebäude in Zürich und Markus genoss die schöne Aussicht auf seine Heimatstadt. Ab und zu ging er auf Geschäftsreise in ferne Länder.  So kam es zu seiner ersten Begegnung mit Ludmila in Moskau. Ludmila war aus Kasachstan und in der Vertretung der Deutschen Bank in der russischen Hauptstadt tätig.

Für Markus war das Liebe auf dem ersten Blick. Ihre langen, schwarzen Locken und ihre Rehaugen verzauberten ihn. Er lud sie zu sich ein und zeigte ihr die Schweiz. Sie fuhren nach St. Moritz zum Skifahren und feierten in der zweiten Januarhälfte das russische Neujahr zusammen. Zwischen den beiden lief es gut. Ludmila war eine jener Frauen, von denen man nur träumen konnte- rücksichtsvoll, intelligent und hübsch. Die Tatsache, dass Ludmila aus einem fremden Kulturkreis kam, machte Markus manchmal ein wenig Angst. So entschied er sich, sich mehr über ihre Familienverhältnisse zu informieren.

„Kannst Du mir ein paar Fotos von Deiner Familie zeigen?“, fragte er einmal, als sie im Hotelzimmer in St. Moritz nach einem langen Skitag zusammen waren.

Ludmila freute sich über sein Interesse, öffnete ihren Laptop und zeigte ihm zuerst ein Foto von ihren Eltern. Der Vater war riesig und hatte einen Vollbart. Die Mutter war zierlich und hatte ein schüchternes Lächeln. Dann kamen die Fotos von den Brüdern.  Das erste war das von einem Ringkämpfer, der nach einem Kampf zum Sieger ernannt wurde und die Hände stolz in die Luft hochstreckte.
„Das ist mein kleiner Bruder“, erklärte Ludmila stolz.
„Er ist Meister im Ringkampf, Mittelgewicht, in Kasachstan.“
Markus nickte zustimmend und respektvoll. Ludmila kam offensichtlich aus einer Sportlerfamilie. Der Vater war Judo-Trainer. Das Foto des zweiten Bruders begeisterte ihn weniger.
Darauf war ein riesiger Kerl mit dunkler Brille und einer Waffe zu sehen.
„Ist dein Bruder hier in der Armee?“, fragte Markus. Ihn erinnerte das Foto an den Film „Rambo“.
„Nein, das ist bei ihm in der Wohnung“, antwortete Ludmila.
„Er arbeitet als Leibwächter des Präsidenten. So wie Kevin Kostner im Film „Bodyguard“ mit Whitney Houston.“

Markus sagte nichts. Er stellte sich vor, diese Familienmitglieder gegen sich zu haben. Diese Männer waren mit allen Wassern gewaschen und konnten ihm schnell das Leben schwer machen. Als Ludmila Markus´Angst spürte, fügte sie mit einem Lächeln hinzu:
„Mit dieser Waffe erledigte mein Bruder bis jetzt drei Männer, die mit mir im Bett waren und dabei keine seriösen Absichten hatten.“

Dieser Scherz ging weit über die Grenze von Markus Schweizer Sozialisierung hinaus. Davon hatte er nur in der Zeitung gelesen. In seiner Imagination sah er einen kleinen Artikel mit seinem Foto in der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“.
„Schweizer Investmentbanker von der Kosaken-Mafia im Zentrum von Zürich abgeschlachtet“
Markus versuchte mit größter Mühe seine Gedanken wieder in eine positive Richtung zu bringen, aber das gelang ihm nicht. Irgendwie konnte er die Zeit mit Ludmila nicht mehr genießen. Unterbewusst fing er an, die Tage zu zählen, bis sie wieder zurück in ihre Heimat fuhr.