Mittwoch, 24. Dezember 2014

Bulgarische Einstellung zum Sozialtourismus

Bulgarische Einstellung zum Sozialtourismus

Irgendwann hörte Dragomir von einem Freund, daß das Geld in Deutschland auf der Straße liegen würde. Er wollte sich das anschauen und kaufte sich ein Flugticket.

Wie er aus dem Flieger in Berlin Tegel ausstieg, sah er neben der Flugzeugtreppe einen Geldbeutel voll mit Euroscheinen. Er kickte den Beutel mit seinem rechten Fuß kräftig zur Seite.

"Sind die Deutschen bescheuert? Ich fange nicht gleich mit dem Aussteigen aus dem Flugzeug mit der Arbeit an!"

Die ersten Erfahrungen mit den Berliner Verkehrsbetrieben

Die ersten Erfahrungen mit den Berliner Verkehrsbetrieben


Ich war 2 Stunden davor von Sofia in Berlin angekommen und wollte mir die Stadt anschauen. Ich nahm deswegen einen Bus Richtung Zentrum und fuhr los. Irgendwann nach dem Brandenburger Tor fasste ich den Entschluss, auszusteigen.
Der Bus hielt an. Die vordere Tür ging auf und Leute stiegen ein, die hintere Tür jedoch blieb zu. Bei den Bussen in Sofia gingen an jeder Haltestelle sämtliche Türen auf und zu, und man konnte überall ein- und aussteigen.
Da ich dachte, dass die Fahrerin (es war eine Frau!) einfach vergessen hatte, die hintere Tür zu öffnen, wollte ich sie möglichst höflich darauf aufmerksam machen. Schließlich hatte ich einen Monat zuvor mit Auszeichnung das Deutsche Gymnasium der Stadt Sofia abgeschlossen, wo deutsche Lehrer mir fünf Jahre lang die Sprache von Goethe und Schiller beigebracht hatten. Es war an der Zeit, von meinen Sprachkenntnissen Gebrauch zu machen:
„Entschuldigen Sie bitte die Störung, würden Sie so freundlich sein, die hintere Tür aufzumachen?!“ richtete ich vorsichtig, aber fest meine Bitte an die Fahrerin. Zwischen ihr und mir lagen 4-5 Meter Distanz, die durch mehrere stehende Passagiere überbrückt wurden. Ich musste es deswegen laut genug sagen, damit es zu ihr vordrang. Der Bus war voll und ich hatte den Eindruck, dass alle Fahrgäste mir plötzlich aufmerksam zuhörten. Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Geschlechts saßen oder standen herum und starrten mich an.
„DRÜCKEN!“ kam ihre kurze Antwort.
„Ach so“, dachte ich mir, „-die Tür funktioniert nicht richtig und ich muss ein bisschen drücken. Das gibt´s also auch bei Mercedes-Bussen in Berlin und nicht nur bei ihren Ikarus-Verwandten in Sofia!“ versuchte ich mir selber Mut zu machen.
Ich drückte mit meiner Schulter zuerst leicht, dann fester gegen die Tür. Sie blieb geschlossen und rührte sich nicht einmal.
Ich entschied mich, meine Bitte erneut an die Fahrerin zu richten, da der Bus zu voll war, die Vordertür zu nehmen und nahm meinen ganzen Mut zusammen.
„Die Tür geht nicht auf. Bitte!! Würden Sie so freundlich sein, die hintere Tür aufzumachen?!“
In meiner Stimme hörte ich einen Hauch von Verzweiflung und Hilflosigkeit. Ich war dem Willen der Fahrerin vollkommen ausgeliefert und dazu nun schon eine geschlagene Halbewigkeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des gesamten Buspublikums. Hoffentlich würde das bald ein Ende haben.
Doch zu meinem Erstaunen lösten meine Worte keine Reaktion aus: Die Fahrerin schaute gleichgültig nach vorn. Auch die anderen Fahrgäste schienen nicht wirklich an meinem Wunsch interessiert zu sein. Wenn ich an dieser Station wirklich aussteigen wollte, musste
ich nun wohl schnell handeln. Schließlich war ich nach Berlin gekommen, um BWL zu studieren und später eine Führungskraft zu werden. In einem Magazin stand, dass zu den Eigenschaften einer Führungskraft Entscheidungsfreude und Durchsetzungsvermögen zählen.
Ich raffte mich auf und wurde lauter:
„Die Tür geht nicht auf! Bitte würden Sie die Tür aufmachen?!“
Die Fahrgäste, die zwischen mir und der Fahrerin standen, wandten mir nun alle ihren Blick zu. Im Bus war es still. Furchtbar still. Alt und jung, Mann und Frau beobachteten mich schweigend. Ich durfte nun wohl keinen falschen Zug machen.
„D-R-Ü-C-K-E-N!!!” Der Schrei kam überraschend laut wie der Schrei eines wilden, gejagten Tieres und durchschnitt den Raum wie ein Schwert. Woran erinnerte mich das? Es war ein sonderbarer Laut, etwas zwischen dem Geschrei eines neurotischen Esels und dem Bellen eines pflichtbewussten Hundes. Es war ein Laut, der nicht aus der Kehle sondern aus dem Leib zu kommen schien und die Zeit zum Stillstand brachte. Er kam aus dem Leib einer Frau.
Nein, es war keine normale Frau. Es war die Berliner Busfahrerin, die geschrien hatte. In diesem Augenblick wusste ich noch nicht, dass die Berliner mit ihren Stimmlauten zu einer eigenartigen Tiergattung gehören, die nicht einfach einzuordnen ist. Alle Fahrgäste warteten auf meine Reaktion.
„So, mein Lieber“ sagte ich erneut verzweifelt freundlich zu mir
„Heute ist Dein erster Tag in Berlin. Dein erster Tag in Deutschland. Du kennst hier sowieso niemanden, und hast vor, ein neues Leben anzufangen. Ohne Mama und ohne Papa. Auf eigenen Beinen stehen. Du willst BWL studieren und Manager werden. Manager besitzen Entscheidungsstärke und Durchsetzungsvermögen. UND WENN DU DIESE SCHEIßTÜR JETZT NICHT AUFKRIEGST, KANNST DU MUTTERSÖHNCHEN SOFORT DAS FLUGZEUG ZURÜCK NACH SOFIA NEHMEN!“
Ich sammelte all meine Kräfte, suchte mit meinen Füßen einen Widerstand, brachte entschlossen meine Hände an die Tür und fing an, meine gesamte Leibeskraft gegen die Bustür zu stemmen. Ich wollte allen beweisen, dass ich es allein schaffen würde. „Ihr könnt mich mal! Ich zeige es Euch allen!“ sagte ich zu mir. Die Tür zitterte. Ich zitterte auch, hatte aber nicht vor aufzugeben. Der Kampf dauerte circa 40 Sekunden. 40 Sekunden, die mir wie 400 Jahre erschienen. Alle beobachteten mich, ohne ein Wort zu sagen. Irgendwann stand ein älterer Herr aus der dritten Reihe der Vorstellung auf. Er hatte einen Gehstock an der Hand und wenige weiße Haare auf dem Kopf. Mit der Stockspitze drückte er auf einen roten Knopf an einer Stange und die Tür sprang auf. Ich stieg total verschwitzt aus, ohne zu wissen, ob ich weinen oder lachen sollte. Ich hörte mein Herz pochen. Mein schickes blaues Hemd klebte an meinem Körper, meine Haare an meiner Stirn.
Ich war ausser Atem, stützte mich mit meinen Händen an die Bushaltestelle. Ich atmete eine Weile ein und aus und schaute auf den Boden. Als ich meinen Kopf erhob, sah ich ein riesiges Poster vor mir hängen.
In einem mit roter Farbe gezeichneten Viereck stand mit grossen, schwarzen Buchstaben geschrieben:
„Welcome to Berlin! Welcome to the capital of freedom, love and passion!”
Ich konnte meinen Augen nicht glauben und las die Botschaft noch einmal leise vor.
„Welcome to Berlin! Welcome to the capital of freedom, love and passion!”
Dann konnte ich nur meinen Kopf schütteln.

Der größte Orgasmus auf dem Balkan

Der größte Orgasmus auf dem Balkan

Ein Freund von mir arbeitete als Chef des Wachschutzes bei der Residenz der Arabischen Emirate in Sofia. Wenn der Botschafter verreist war, nutzte er seine Abwesenheit, wie man das eben so auf dem Balkan tat und organisierte legendäre Parties. Große Orgien kamen zustande.
Die Residenz bot auch die dafür geeignete Atmosphäre - einen wunderschönen Garten mit Swimming Pool, zahlreiche luxuriös ausgestattete Zimmer und einen indischen Koch, der für einen Teil des leiblichen Wohls sorgte.
Mein Kumpel Dragomir, ein sehr gut gebauter Bursche, bei dem die Liebe zu den Schwergewichten im Fitnessraum vergleichbar groß mit der Liebe zu den Büchern klassischer russischer Literatur in seiner Wohnung war, enthüllte mir eines Morgens nach einer schlaflosen Nacht das Geheimnis des größten Orgasmus auf dem Balkan. Wir saßen draußen im Garten vor dem Pool. Die Sonne wurde gerade wach. Das Licht war frisch und hell. Der warme Sommerwind Sofias begrüßte uns mit dem Beginn des neuen Tages. Sofia - das ist eine dieser Städte, wo es normal ist, daß die Sonne scheint.
„Weißt Du, was für mich den größten Orgasmus darstellt?!“ fing Drago, wie ich ihn nannte, an und nahm lässig einen Schluck aus seiner Tasse Kaffee. Er trank den Kaffee immer schwarz, ohne Milch und Zucker. Er mochte es auch nicht, Vodka oder Whisky mit alkoholfreien Getränken zu mischen. Er meinte, dann gehe der Geschmack verloren. Er konnte von diesen strong drinks sehr viel vertragen. Er schluckte den Kaffee mit Genuss runter und schaute mich mit leuchtenden Augen an.
„ Nein, nein, nein, es ist bestimmt nicht das, woran Du denkst...während einer Party mit einer oder zwei der modelartigen Schönheiten oben in eins der 27 Schlafzimmer zu gehen und uns dem körperlichen Vergnügen zu widmen.“
Ich fragte mich, wieso Menschen immer denken, dass sie wissen, was andere denken. Seine Ansicht war mir aber zu wichtig, um ihn deswegen zu unterbrechen. Ich hörte ihm aufmerksam zu. Ich mochte ihn sehr. Er
gehörte zu den Menschen in meinem Freundeskreis, die nach ihren eigenen Regeln lebten und ihre Leidenschaften in vollen Zügen auslebten. Die Angst war eine Emotion, die ihm fremd war.
„Der größte Orgasmus für mich ist es, mit der Fernbedienung die Wassertemperatur im Swimming Pool einzustellen. Genau auf 36,5 C, damit sie der Temperatur meines Körpers entspricht. Dann springe ich ins Schwimmbad rein, einfach so, ohne meine Klamotten auszuziehen. So fühle ich mich, wie ich mich im Leibe meiner Mutter gefühlt hätte. Und Du kennst ja die Form des Beckens, von unten ist es genauso wie von oben oval...Wie im Mutterleib! Und dann, wenn ich genau in der Mitte stehe und meinen Kopf hochhebe, zeigt sich nur mein Mund außerhalb der Wasseroberfläche. Und dann ist Nara ran - unser indischer Koch. Er kommt in seiner indischen Tracht an diese Seite des Beckens und spritzt mir von dem französischen Champagner in meinen Mund von oben, und das ist alles! Das ist das Größte überhaupt. Das rührt meine Seele! Das ist der größte Orgasmus!!!“
Ich lächelte ihm zu. Ich mochte Champagner nicht besonders, aber ich wollte nachschauen, ob Nara schon auf war.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Drei neue Santa Claus Kurzgeschichten für einen fröhlichen dritten Advent





Als Weihnachtsmann im größten Berliner  Krankenhaus


Berlin war kalt und verschneit. Der Himmel war klar. Der Wind war kalt. Die Sonne schien. Die Straßen waren menschenleer.
Ich hatte einen ganz speziellen Auftrag. Ich musste am Heiligen Abend als Weihnachtsmann die Geschenke an 350 Kinder verteilen, die krank waren und im größten Berliner Krankenhaus Weihnachten verbringen mussten.
 Dieser Auftrag machte mich besonders stolz. Zuerst war das ein Beweis, dass  ich einen guten Job als Weihnachtsmann machte und deswegen das Vertrauen genoss, solche Aufträge zu erhalten. Darüber hinaus war es schön zu wissen, Freude in 350 Kinderherzen hineinbringen zu können. Ich ging mit einem lässigen Schritt ins Krankenhaus hinein. Es war leer. Ich hatte meinen Weihnachtsmannanzug in meinen Geschenkesack gepackt und musste eine Toilette finden, in der ich mich in aller Ruhe umziehen konnte. Ein alter Mann begrüßte mich mit den Worten:
„Guten Tag, Herr Doktor!“
Ich grüßte ihn mit einem Lächeln zurück. Ich fühlte mich geschmeichelt und wichtig. Ich wurde sogar für einen Doktor gehalten. Selten im Leben hatte ich bislang dieses Gefühl, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein. Selten im Leben hatte ich das Gefühl, etwas Sinnvolles machen zu dürfen, wofür ich bezahlt wurde. Ich fand eine Invalidentoilette, ging hinein, schloss die Tür hinter mir ab und fing an, mich in aller Ruhe umzuziehen. Ich hatte mehr Zeit dafür eingeplant, damit ich nichts überstürzen musste. Der Bart und die weiße Perücke mussten richtig sitzen. Der Mantel auch. Ich war fast fertig, als jemand heftig an die Klotür klopfte.
„Ein Moment bitte!“ sagte ich und dachte mir, was für ein Gesicht dieser Mann oder Frau machen würde, wenn er oder sie sähe, dass der Weihnachtsmann  höchstpersönlich aus dem Klo herausginge.
Das Klopfen wurde deutlich stärker.
„Eine Minute noch!“
„Ick piss mir gleich in die Hoooooooosen!“ hörte ich den Mann schreien.
Ich beeilte mich und als ich die Tür als ganz ordentlich angezogener Weihnachtsmann aufmachte und auf die Reaktion des Mannes wartete, rannte er an mir vorbei, als ob der Teufel hinter ihm her wäre Er merkte nicht mal, dass ich als Weihnachtsmann ihn freundlich anlächelte und grüßte.
Auch wenn der liebe Gott höchstpersönlich vor ihm gestanden hätte, hätte ihn das genauso wenig beeindruckt.
Noch einmal wurde mir gegenwärtig, dass jegliche Verkleidung und alle gesellschaftlichen Rollen auf der Welt nichts wert waren, wenn unsere Naturbedürfnisse nicht befriedigt waren.
Ich schmunzelte und machte mich auf dem Weg zu den Kindern.

 


Wie man aus den deutschen Brieftaschen das meiste Trinkgeld holen kann


Ich machte den Job als Weihnachtsmann  gerne. Am Anfang war ich ein wenig verkrampft. Der Bart saß nicht bequem. Der Mantel brachte mich zum Schwitzen. Die Mütze musste meine dunklen Augenbrauen verdecken. Der Besuch bei den Familien kam mir wie ein Kurzfilm vor. Ich ging hinein und ich ging hinaus. Am Anfang hielt ich mich an mein Programm strikt. Im Laufe der Zeit konnte ich mich langsam entspannen und mich in die Rolle des Santa Claus richtig einleben. Die Frage, die mich oft beschäftigte, war, wie konnte ich das meiste Trinkgeld bekommen. Wie konnte ich herausfinden, worauf die Deutschen so richtig standen?

„Die Deutschen lieben es, gequält zu werden!“ sagte zu mir ein Freund, der lange mit einer deutschen Frau verheiratet war. Ich fragte ihn spaßeshalber,  ob ich in den deutschen Familien SM-Übungen mit einer Peitsche und Maske einführen sollte.  Ich entschied mich aber, seine Aussage auf die Probe zu stellen.

Die Familie war wohlhabend. Die Wohnung war ein Loft im Dachgeschoß. Der Tannenbaum sah prächtig aus.  Er war riesig und  wurde mit glänzendem Schmuck und Kerzen geschmückt. Die ganze Verwandtschaft war da. Nachdem ich die Geschenke an die Kinder verteilt hatte und die Kinder im Gegenzug ihre Gedichte und Lieder vorgetragen hatten, fühlte ich, dass die Zeit für mein Experiment gekommen war.

„So mein liebes Kind!“ Ich wandte ich mich an den Vater der Kinder und gleichzeitig das Oberhaupt der Familie.
„Kommt jetzt mal näher zum Weihnachtsmann!“

Ein Mann Ende 40 bewegte sich ungerne in meine Richtung. Seine Haare waren kurz geschnitten. Er trug eine kleine Brille mit dicken schwarzen Rahmen und schaute in seinem grauen Anzug wie ein Bankdirektor aus. Einer dieser kleinen Männer, die gut mit Zahlen umgehen konnten und alles unter Kontrolle haben wollten.

„Komm noch ein Stück näher, mein liebes!“ ermutigte ich ihn.
„Der Weihnachtsmann tut nur Gutes und du brauchst keine Angst vor ihm zu haben, es sei denn wenn du nicht artig warst..“

Der Mann kam näher. Die Kinder waren mit Auspacken ihrer Geschenke beschäftigt, aber die ganze Verwandtschaft bildete einen Kreis um uns herum. Tanten, Onkel und Neffen , eine Vielzahl von Großeltern und nicht an letzter Stelle seine Ehefrau schauten uns mit Neugierde an. Die Kerzen brannten. Im Hintergrund hörte man gemütliche Weihnachtsmusik. 

 „Sag jetzt, mein liebes Kind, dem Weihnachtsmann, was die letzte gute Tat war, die Du Deiner Frau gegenüber erbracht hast?!“

Der Mann schaute mich verlegen an. Sein Gesicht wurde rot. Rund um ihn waren bestimmt 15 Menschen, die ihn aufmerksam anschauten und mit ihren Kameras für das Familienalbum filmten. Es war ihm offensichtlich peinlich, da er die Situation nicht unter Kontrolle hatte. Er wusste nicht genau, worauf ich hinaus wollte. Ich wiederholte lauter und langsamer meine Frage. Er dachte kurz nach und antwortete schnell:

„Ich habe die Fotos zum Fotolabor gebracht, lieber Weihnachtsmann!“ sagte er laut und lachte verlegen. Er wollte möglichst schnell aus der Situation herauskommen. Das entsprach aber nicht meinem Plan.
„Denkst Du, mein Kind, dass eine solche Tat als gut und nicht als selbstverständlich im Familienleben bezeichnet werden kann?!“ stellte ich meine nächste Frage.
„Aber lieber Weihnachtsmann“, stammelte er vor sich hin.
„Frag bitte meine Frau, was sie Gutes mir gegenüber getan hat. Ich bin mir dessen sicher. Dann wird sie auch ins Schwitzen kommen müssen!“

Der Papa war knallrot im Gesicht angelaufen. Die Kerzen brannten. Die Kinder waren mit ihren Geschenken beschäftigt. Der Papa wusste, dass der Angriff die beste Verteidigung war. Er wollte sich bereits umdrehen, als ich ihn unterbrach:
„Nein, mein Kind, wir sind lange mit Dir nicht fertig!
Ich möchte von Dir hören, was Du zuletzt aus dem Gefühl der Liebe und nicht aus der Verpflichtung heraus Deiner lieben Ehefrau gegenüber getan hast?“

Der Mann schüttelte genervt den Kopf und schaute sich um. Er brauchte Hilfe von außen. Im Raum herrschte Stille. Alle schauten sich die Szene schweigend an und niemand mischte sich ein. Nach 20 Sekunden gespannter Stille entschied ich mich, seinen Qualen ein Ende zu setzen.
„So, meine Kinder! Dann lasse ich die Frage offen für nächstes Jahr, wenn ich zu Euch komme. Aber dann will ich mehr Gutes hören! Der Weihnachtsmann will mehr Liebe im Herzen spüren!“
 Als ich den Satz beendete, wurde ich euphorisch mit Applaus verabschiedet. Das Trinkgeld stieg um das Dreifache. Ich lächelte zufrieden.
 Also stimmte das, was der mit einer deutschen Frau verheiratete Bulgare mir erzählt hatte. 

 



Aus dem Leben des Santa Claus

„Sie haben aber nichts dagegen, dass mein Mann farbig ist?“ fragte mich die Frauenstimme am Telefon.
Ich war eben dabei, meine Aufträge als Santa Claus abzuarbeiten und telefonierte mit alle Familien auf meiner Liste durch. Das Ziel der Telefonate war die Namen der Kinder aufzuschreiben, wie alt sie waren, was sie liebten und was sie besser machen konnten, wie ihre besten Freunde, ihre Katze, ihr Hund, Vogel oder Meerschweinchen hießen. Niemand hatte mir bis jetzt so eine Frage gestellt. Ich dachte kurz nach und antwortete:
„Der Weihnachtsmann freut sich doch auf Menschen mit unterschiedlichen Farben!“ Schließlich stellte ich als Bulgare auch eine seltsame Mischung aus Orient und Okzident dar.
Als ich am Heiligen Abend auf dem Weg zu dieser Familie war, dachte ich mir, was diese Menschen alles bereits erlebt haben mussten, um dem Weihnachtsmann so eine Frage zu stellen. Das Leben in Deutschland als Bulgare war schon nicht einfach, geschweige denn, wenn man aus Afrika oder Süd Amerika kommt.
Die Familie mit dem farbigen Vater hatte eine kleine, gemütliche Wohnung. Die Kinder hatten einen winzigen Weihnachtsbaum sehr schön geschmückt und für den Weihnachtsmann fröhliche Weihnachtslieder vorbereitet. Der Junge war 5, seine Schwester war 7 Jahre alt. Der Junge spielte Geige und die Schwester sang. Beiden waren elegant angezogen und hatten lange, dunkle, lockige Haare. Die Mutter – eine angenehm gerundete, vollbusige Frau mit langen, glatten, schwarzen Haaren und im weißen Kleid, schaute den Auftritt ihrer Kinder mit glänzenden Augen an und sang leise mit. Man merkte, dass sie lange mit ihnen geübt hatte. Der farbige Vater saß still auf einem roten Coach im Hintergrund und beobachtete das Geschehen. Er trug eine dicke, goldene Halskette am Hals und sah so aus, als ob er täglich Krafttraining machen würde. Ein Muskelpack. Ich dachte mir, dass mich seine Ehefrau mit ihrer Frage vielleicht einfach nur auf ihren Mann aufmerksam machen wollte. Als die Kinder mit ihrem Programm fertig waren, entschied ich mich dafür, auch ihm ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken.
„So mein liebes Kind! Nachdem wir das Konzert von Deinem kleinen Prinz und der schönen Prinzessin gehört haben, möchte der Weihnachtsmann sehen, was Du so für den Heiligen Abend vorbereitet hast.“ wandte ich mich an ihn.
Zuerst merkte der schwarze Mann gar nicht, dass ich ihn gemeint hatte. Er schwieg und rührte sich nicht. Ich erhöhte meine Stimme:
„Mein liebes Kind! Schön und gut, dass Du so still und bequem auf dem Sofa sitzt. Aber jetzt möchte der Weihnachtsmann  von dir hören, was Du für ihn vorbereitet hast. Ein schönes Lied vielleicht oder ein Weihnachtsmärchen? Du kannst da ruhig sitzen bleiben.“
Es kam wieder keine Reaktion.  Der Mann saß  und schwieg. Im Raum war es wieder für ein paar Sekunden ganz still. Nur die brennenden Kerzen konnte man hören. War er zu schüchtern oder zu überrascht, so eine Aufgabe vom Weihnachtsmann gestellt zu bekommen? Oder fühlte er sich provoziert oder war er taub?
„Mein Papa spricht kein Deutsch!“ mischte sich der kleine Junge ein.
„Santa Claus is waiting for your Christmas Song, Daddy!” sagte seine Tochter zu ihm.
Der Mann lächelte, als ob er darauf gewartet hätte und legte ohne weitere Aufforderung mit voller Stimme los. Ich fühlte mich in den kommenden Minuten wie beim Gospelkonzert. Er sang energiegeladene, christliche Lieder und pries Jesus über alles, was er in seinem Leben hatte, und drückte seine Dankbarkeit aus, dass Jesus an diesem Tag auf die Welt gekommen war.
Ich dachte, seine Frau hätte besser mich nicht fragen müssen, ob ich etwas dagegen hätte, dass Ihr Mann Schwarzer war, sondern dass er so ein begnadigter Sänger war und vor allem mich warnen müssen, dass er kein Deutsch konnte. Wie unsere Fragen unsere Gedankengänge lenkten und umgekehrt!  Ich bemühte mich, meine Gedanken zu beruhigen und genoss den Enthusiasmus, mit dem der Vater sang.
Bei so vielen christlichen deutschen Familien, die ich an diesem Abend besuchte, hatte ein afrikanischer  Mann zum ersten Mal den Namen Jesus erwähnt und  den Santa Claus daran erinnert, warum wir überhaupt Weihnachten feierten.

Freitag, 5. Dezember 2014

Poems from around the World: My little poems are refelcting my vision to catch the spirit of the places I have been. Enjoy them!



Cairo

you enter this bazaar of million souls
and you feel like you want to grow
to grow and fly over the pyramids
and turn to one of billions sahara seeds 


Stockholm 


the wind is freezing cold
the river dark and full of ice
A blond girl smiles at you once
and makes you think twice

 


Cape Town


Cape Cape
How can one‘s hearth escape?
The rendezvous between Table Mountain and Lions Head
The Camps bay and its white and full of sand sunset
The black homeless man taking care of the parking of
the fashion model‘s car and calling them my mum
  



Barcelona

Tight streets in a body full of crazy buildings
Boats playing music in the ports
You see parrots flying over the palm trees instead of crows

And the joy inside you grows
Come te llamas , preciosa?
Barcelona Barcelona



Zurich, part 1


I-pads walking
Blackberries talking
people knowing how to behave properly more than 10 hours a day
and you are getting the sense of how it feels to be a corporate slave

 Zurich, part 2

In the mecca of capitalism
I feel fanaticism
if the beauty of a town can be measured
by the number of smiling girls that can be found
Zurich, you will be the number one, but the other way around

Poland 

drunk fellows behaving like supermen
gorgeous girls who know how to say No to them
a mixture of slavic north and nordic light
and you recognize the value of being polite