Dienstag, 23. Februar 2016

Ein Bulgare auf Geschäftsreise nach Japan



Ein Bulgare auf Geschäftsreise nach Japan

Herr Ivanov war Ingenieur von Beruf. Seine Firma hatte neue Maschinen aus Japan gekauft und schickte ihn zu einem Workshop nach Tokio. Herr Ivanov war sehr aufgeregt, als er in Japan ankam. Es war seine erste Geschäftsreise ins Ausland. Er hatte sich gründlich darauf vorbereitet und Englisch gelernt sowie viel über die Kultur und die Geschichte von Japan gelesen. 

Die Japaner schickten einen Fahrer, der ihn vom Flughafen abholte, zu seinem Hotel brachte und sofort zum Workshop transportierte. Da waren ungefähr 150 Leute aus aller Herren Länder. Herr Ivanov spürte den Jetlag im Kopf und im Körper stark. Er fühlte sich wie im Film. Nicht die Müdigkeit war aber seine erste Sorge. Zum Mittagessen hatten die Japaner eine spezielle Nudelsuppe serviert, die den Magen von Herrn Ivanov ganz schön stark durcheinander brachte. Mitten im Workshop spürte er, wie eine Welle in seinem Magen nach unten ging und musste sie mit seiner ganzen Kraft unterdrücken und auf die Toilette rennen. 

Es war nicht schwierig, die Toiletten ausfindig zu machen. Es war aber sehr kompliziert, mit der Toilette zurecht zu kommen. Die Toilettenschüssel war zu. Es gab einige Knöpfe nebendran. Herr Ivanov spürte die zweite Welle kommen. Er drückte verzweifelt auf die Knöpfe, aber die Toilettenschüssel blieb verschlossen. Er setzte sich auf die Schüssel und versuchte mit seiner ganzen Leibeskraft die Welle zu unterdrücken. Er runzelte seine Stirn und spannte seine Muskeln. Es gelang ihm, auch diese zweite Welle zu überwinden. Er schaute noch einmal auf die Knöpfe. Sein Ingenieurwissen verriet ihm, dass er durch sein chaotisches Verhalten höchstwahrscheinlich die Toilette blockiert hatte. Herrn Ivanov musste schnell eine Lösung finden. Er wusste, dass er eine dritte Welle nicht ohne Weiteres überstehen und sich in die Hosen machen würde. Er zog schnell seine Schuhe, Hosen und Unterhosen aus. Danach zog er eine seiner Socken aus und weitete sie mit beiden Händen aus. Dann kam die dritte Welle und Ivanov kackte erleichtert hinein. Als er fertig war, wollte er einen Mülleimer finden, wo er das Packet hineinschmeißen konnte. 

„Bestimmt ist auch der Mülleimer in diesem hochmodernen Land auch nur mit diesen verdammten Knöpfen zu betätigen!", dachte er laut und schaute sich um. Das Einzige, was sich anbot, war ein kleines Fenster. Er wollte die Socke nicht aus der Toilette heraustragen und entschied sich, sie durch das Fenster hinauszuwerfen. Als er das getan hatte, streckte er sich hoch, um zu schauen, wo sie heruntergekommen war. Entsetzt musste er feststellen, dass das Fenster nicht nach draußen führte, sondern im Nebenraum die Damentoilette war.

Wie jede bulgarische Socke hatte auch seine ein Loch und so waren alle Wände des Frauen-WCs mit seinem Kot beschmiert.

Herr Ivanov war schockiert. Er fühlte sich verpflichtet, das wieder gut zu machen. Schließlich wollte er das Image Bulgariens in Japan nicht ruinieren. Er rückte seine Krawatte zurecht und sah sich um. Er musste jemanden finden, der die Toilette saubermachen konnte. Es dauerte nicht lange bis er eine kleine, ältere Japanerin fand, die gerade den Flur abwischte. Er grüßte sie freundlich auf Englisch und sagte höflich:

„Entschuldigen Sie bitte! Ich komme aus Bulgarien und bin ein Gast Ihrer Firma. Ich möchte Sie bitten, mir zu helfen? Ich würde Ihnen 20 Dollar geben, wenn Sie die Damentoiletten saubermachen könnten!"

Die alte Dame ging mit ihm zur Damentoilette, ohne ein Wort zu sagen. Ein kurzer Schrei der Überraschung kam aus ihrem Mund, als Herr Ivanov ihr die Tür der Damentoilette aufmachte. Sie machte Herrn Ivanov ein Zeichen, dass er draußen auf sie warten sollte.  Nach zwei Minuten kam sie zurück. Sie schaute Ivanov mit einer Mischung aus Verwirrung und Achtung an  und machte ihm ein Gegenangebot:

„Sir, ich gebe Ihnen 50 Dollar, wenn Sie mir zeigen, wie Sie in Ihrem Land auf die Toilette gehen."

Montag, 1. Februar 2016

Berlin aus der Sicht meines Vaters



Berlin aus der Sicht meines Vaters

Mein Vater war ein riesiger Kerl. Er war über 2 Meter groß und über 100 Kilo schwer. Es war Sommer, als er zum ersten Mal nach Berlin zu Besuch kam. Er wollte kein Hotelzimmer nehmen und zog es vor, bei mir im Studentenwohnheim auf einer Matratze zu schlafen. Das fand ich cool.
„Du hast es hier richtig gut!“, sagte er zu mir.
„Wie meinst du das?“
„Es ist ein Luxus, wie du lebst.“
„Na ja, wenn man ein 25 Quadratmeter großes Zimmer als Luxus bezeichnen kann...“
„Weißt Du, als ich studiert habe, schliefen wir in einem nur wenig größerem Zimmer mit 40 Leuten zusammen.“
„Na ja, dann mussten die Betten bestimmt zwei Etagen haben, oder?“
„Ja, ich zog immer die obere Etage vor, aber es war immer so eng und viele schnarchten.“
„Na ja, wenigstens war da immer etwas los und du hast dich nicht so einsam gefühlt wie ich hier in Deutschland. „
„Aber hier sind auch andere Studenten und in deiner Etage wohnen bestimmt 10 oder mehr?“
„Ja, hier wohnen sogar 12, aber weißt Du, worauf sich unsere Kommunikation beschränkt?“
„Worauf?“
„,Hallo´ zu sagen, wenn du in die Gemeinschaftsküche hineingehst und ,Tschüs´ zu sagen, wenn Du sie verlässt.“
„Naja, das klingt nach einem deutschen Kommunikationsmodell. Du musst das gleiche einführen, wenn du auf die Gemeinschaftstoiletten gehst. ,Hallo´  vor dem großen Geschäft, und ,Tschüs´ danach!“, machte sich mein Vater lustig.

Ich mochte unsere Gespräche. Er hatte viel Humor und Akzeptanz für andere Lebensweisen. Draußen aber passierten zwei Sachen, die sein Bild von Berlin maßgebend prägten. Als wir in der U-Bahn zum KaDeWe fuhren, knutschten zwei Männer auf dem gegenüberliegenden Sitz. Das war etwas, was man in Bulgarien nicht beobachten konnte und mein Vater schaute sich das mit einer Mischung aus Überraschung und Abneigung an. Später waren wir im KaDeWe und im Aufzug fuhr ein schwules Paar mit uns. Die Männer waren im Alter meines Papas, hatten Lack, Leder und Stiefel an und hielten sich verliebt die Hände.

Mein Vater schüttelte nur den Kopf. Wir redeten nicht darüber.
Monate später, als ich wieder in Bulgarien war und wir am Mittagtisch zusammen mit der ganzen Familie saßen, sagte er:

„Als Deine Schwester geheiratet hat, mochte ich ihren Mann nicht besonders. Ich dachte, wie konnte sie einen Mann ohne gute Ausbildung und Uniabschluss heiraten?! Danach lernte ich ihn besser kennen und erkannte seinen guten Charakter. Jetzt liebe ich ihn!“

„Na ja, dann muss ich ihm sagen, dass er mit Dir vorsichtig sein muss!“, versuchte ich ihn auf den Arm zu nehmen.

Mein Vater reagierte zuerst nicht auf meine Bemerkung. Nach einigen Sekunden sah ich, wie ein paar Erinnerungen von seinem Berliner Besuch hochkamen. Er schüttelte entgeistert den Kopf und sagte:

„Du und diese perverse Stadt!!“