Freitag, 20. März 2015

Der stille Protest eines Bulgaren in Zürich




Ich hatte die Nase voll von Zürich. 


Diese satten Gesichter am Bellevue, die Anzugträger in der Bahnhofsstraße, diese eleganten Mädels im Grieder, die zu hübsch waren, um angesprochen zu werden. Für mich bot die Stadt ein ideales Bild für Scheinperfektion und „Möchtegern-Glücklichsein. Niemand konnte mich überzeugen, dass Konsum die Menschen glücklich machen konnte. 

Ich ging auf eine Party. Sie wurde als eine der besten Partys in der Stadt gelobt und fand in einem der teuersten Hotels auf dem Zürich Berg statt. Am Eingang waren Limousinen geparkt. Bilder von Sylvester Stallone hingen an Wänden im Foyer. Der Boden war mit einem dicken persischen Teppich belegt.  Die Party fand ich sehr langweilig. Über 90% der Teilnehmerinnen hatten aus meiner Sicht operative Eingriffe hinter sich gebracht, um hübscher oder jünger auszusehen. Ihre Kavaliere waren hochnäsig und unkommunikativ.

Es war an der Zeit, ein Zeichen des Protestes zu setzen. Keine Pöbelei oder Schlägerei, sondern einen, stillen, vornehmen Protest wie es sich für einen gebildeten, bulgarischen Hochschulabsolventen gehörte. Ich ging an die Bar, an der viele gut geschminkte Frauen waren. Sie waren um 50 Jahre alt waren, aber wollten wie 25 aussehen. Ihre Begleiter waren auch da. Gut angezogene, gepflegte und ordentlich gekämmte Herren, die nach feinen Essenzen dufteten. Die Musik war laut. Die Stimmung war feuchtfröhlich. Ich setzte mich mitten unter sie und ließ einen stillen, aber geruchsstarken Wind ab.  Einen richtigen Balkan-Furz von der Gruppe der Killerkommandos. Der Gestank kam schnell hoch. Die Damen wurden unruhig und schauten sich gegenseitig an. 

Dann war die Zeit, einen drauf zu setzen. Ich runzelte die Stirn und mit einem Blick voller Abscheu schaute ich mir zuerst die Dame links und dann die Dame rechts von mir für jeweils drei bis fünf Sekunden an. Beide waren aus meiner Sicht gleichermaßen an diesem Vergehen in der feinen Hotelanlage beteiligt. Dann schüttelte ich den Kopf, stand auf und ging auf die Tanzfläche.

Montag, 9. März 2015

Die Absichten der Frauen




Taba war der Name eines brasilianischen Restaurants in Berlin Mitte, in dem die Brasilianer am Sonntagabend Musik spielten und sich amüsierten.
„Wenn das Leben Deine Leidenschaft ist, ist Brasilien Dein Reiseziel!“, lautete der Werbeslogan des brasilianischen Fremdenverkehrsamtes. Wenn man nicht das Geld und die Zeit hatte nach Brasilien zu reisen, bot diese Gaststätte eine Kostprobe der brasilianischen Lebenslust. Man konnte darin die brasilianischen Fußballstars von Berliner Hertha verschiedene Instrumente spielen sehen. Die Gäste nippten an ihren Caipirinhas und tanzten ausgelassen bis spät in die Nacht.  Nach einigen Besuchen freundete ich mich mit einem Kellner an. Er war über 1.90m groß. Mit seinem weißen Hemd, der schwarzen Hose und seinem ernsten, blassen Gesicht sah er wie ein Bestattungsunternehmer aus. Aber er hatte ein fröhliches Herz und sein Name war Richard. Er kam aus Ecuador. An einem Abend eröffnete mir Richard die Spielregeln, die im Restaurant galten.
"Mein Lieber, du brauchst nicht hierherzukommen, wenn Du eine Frau für´s Leben suchst.."
"Wieso das?", fragte ich überrascht. Ich dachte, ich würde gute Karten bei den Besucherinnen des Restaurants haben. Es gab viele hübsche Brasilianerinnen, aber auch reizende deutsche Mädchen, die auf der Tanzfläche ihre  Hüften zur Freude der Männer verlockend kreisen ließen und damit deren Blicke auf sich zogen.
 "Hier kommen zwei Arten von Frauen", setzte Richard seine Aufklärung fort.
"Zur ersten Kategorie gehören die hübschen, brasilianischen Frauen, die sich einen deutschen Mann schnappen wollen, um in Deutschland bleiben zu können."
"Und die zweite?“,  fragte ich mit der Hoffnung in der Stimme.
"Die zweite sind deutsche Frauen, die hierher kommen, um einen der brasilianischen Fußballspieler ins Bett zu kriegen und zu heiraten. Diese Jungs sind Millionäre!“
"Und warum passe ich hier nicht rein?"
"Du gehörst zu keiner der beiden Gruppen.."
"Richard, Du verfolgst die Presse nicht! Man merkt, dass  du nichts über die neue Entwicklung erfahren hast."
"Welche Entwicklung?“, fragte er mich und runzelte besorgt seine Stirn.
Rund um uns leuchteten viele Kerzen. Die laute Musik mischte sich mit dem tanzenden Geschrei der Menge auf der Tanzfläche.
Ich näherte mich meinem neuen Freund und flüsterte ihm ins Ohr.
"Richard, die Wirtschaftskrise hat die Welt so erschüttert, dass die Frauen angefangen haben, aus Liebe zu heiraten."
Richard lachte daraufhin laut und ausgelassen und sagte, dass mein nächstes Getränk aufs Haus gehen würde.